20. November 2013

Nachricht

Jahrestagung November 2013

Erste Jahrestagung der Gemeindekuratoren und Gemeindekuratorinnen am 16. November 2013

Jahrestagung November 2013

Tagungsbericht

Mit 45 Teilnehmern und Teilnehmerinnen fand am Samstag, dem 16. November 2013, im Theologischen Zentrum Braunschweig erstmals eine Jahrestagung der Gemeindekuratoren_innen statt. Die Tagung diente vor allem dem Erfahrungsaustausch zwischen den Kuratoren, Gemeinden und der Projektleitung. Inzwischen hat das Pilotprojekt in drei Kursen rund 60 Absolventen_innen zu verzeichnen. Etwa zwei Drittel von ihnen haben inzwischen eine Beauftragung seitens ihrer Kirchenvorstände und arbeiten in unterschiedlichen Arbeitsfeldern.

Die Tagung wurde von Perdita Wünsch, in Vertretung für Albert Wieblitz, und Dieter Rammler geleitet. Auch Johannes Engelmann und Henning Schlüse waren seitens der Projektgruppe vertreten. Nach wie vor bewährt sich hier die Kooperation zwischen der Hannoverschen und Braunschweigischen Landeskirche. Das unterstrichen auch OLKR Thomas Hofer aus Wolfenbüttel und KRn Dr. Heike Köhler aus Hannover, die ihre Kirchenleitungen vertraten und mit ihrer Teilnahme und Grußworten das Interesse an der Fortentwicklung des Projekts bekundeten. Ihre Grußworte sind Bestandteil der Tagungsdokumentation.

Am Vormittag arbeiteten die Teilnehmenden anhand von Metaplanern heraus, was bislang gelungen ist und wo dafür die Gründe liegen, also die Suche nach Erfolgsfaktoren. Auf der anderen Seite wurden aber auch die Stolpersteine nicht verschwiegen; auch damit verband sich die Ursachensuche. Die Stichworte aus den fünf Arbeitsgruppen sind der Dokumentation angefügt. Im Plenum wurden zentrale Ergebnisse formuliert:

  • Je klarer der Auftrag durch die Kirchenvorstände, desto gewinnbringender die Tätigkeit.
  • Die Ausbildung vermittelt grundlegende Kenntnisse und Kompetenzen. Sobald sich dann durch die Beauftragungen Spezialisierungen ergeben, sollen künftig Fortbildungen zur Vertiefung stattfinden.
  • Gegenwärtig ist die Beauftragung durch die Kirchenvorstände rechtlich durch die Kirchengemeindeordnung abgedeckt. Wenn die Gemeindekuratoren_innen künftig stärker mit Geschäftsführungsaufgaben betraut werden sollten, müsste die kirchenrechtliche Verankerung des neuen Ehrenamtes bedacht werden.
  • Der Austausch zwischen den Gemeindekuratoren_innen soll auch nach der Beauftragung bestehen bleiben, denn auf diese Weise würden wertvolle Tipps weitergegeben.
  • Das Projekt müsse unbedingt weitergehen. In gewisser Weise stehe die Zukunft der Gemeindekuratoren_innen noch bevor, insofern sie in den Regionsbildungen (Gestaltungsräume etc.) sowohl vor Ort als in der regionalen Aufgabenteilung eine Rolle als „Bindeglied“ spielen können.
  • Viele Beteiligte hätten sich auch vorher schon engagiert und Aufgaben übernommen, sowohl im KV als auch in der Gemeindearbeit. Für sie sei die Ausbildung, auch abgesehen von der Beauftragung , eine Kompetenzerweiterung, gerade durch die breite Fächerung der Inhalte.
  • Die Ordinierten und die Kirchenleitungen und Kirchenkreisverwaltungen sollten besser über das Projekt informiert sein, nicht zuletzt, um unnötige Konkurrenzen zu vermeiden.
  • Nach wie vor müsse an einer präziseren Abgrenzung zwischen dem Amt des Kirchenvorstands und der Beauftragung als Gemeindekurator_in gearbeitet werden. Hier seien zwar schon Fortschritte erzielt worden (zum Beispiel stellt sich bei vielen die Koordinierung der Ehrenamtlichen und die Funktion als Bindeglied zwischen KV, Pfarramt und Gemeinde vor Ort als klare Zuständigkeit heraus).
  • Wachstum aufgrund von freiwilligem Engagement in den Gemeinden muss auf strategische Unterstützung durch Kirchenleitungen treffen.

Perdita Wünsch gab anschließend an diese Plenumsdiskussion einen Impuls zum Thema „Arbeit mit Widerständen“.  Auf den Punkt gebracht, geht es darum anzuerkennen, dass Widerstände zu allen Veränderungsprozessen gehören und ihrerseits in den unterschiedlichen Phasen von Prozessen hilfreiche Hinweise zur Entwicklung geben können. Insofern solle man lernen, mit den Widerständen und ihrem Potenzial umzugehen und zu arbeiten.

Nach der Mittagspause und lebhaften Gesprächen setzte Pastor Dr. Gunther Schendel aus Hannover, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD (SI) die Tagung mit einer Einführung in die jüngsten Untersuchungen des SI zum Ehrenamt fort:

  • Stefan Seidelmann, Evangelisch engagiert – Tendenz steigend. Sonderauswertung des dritten Freiwilligensurveys für die evangelische Kirche.
  • Petra-Angela Ahrens, Gerhard Wegener, Wie geht´s der Kirchengemeinde? Die Kirchengemeinde-Umfrage des SI der EKD.

Nach Schendel ließen die Ergebnisse den Gesamteindruck zu, dass es eine positive Welle in Richtung Ehrenamt gebe, mit teilweise noch nicht ausgeschöpftem Potenzial. Dabei hätten 80 Prozent der Befragten nicht den Eindruck, als Lückenbüßer der Strukturreformen bzw. der zurückgehenden Stellen von Hauptamtlichen zu gelten. Insbesondere in der Gemeindeleitung und in der Gruppenleitung der Kinder- und Jugendarbeit gelte es allerdings auch Überforderungen von Ehrenamtlichen wahrzunehmen. Hier könnten auch die Gemeindekuratoren_innen anknüpfen. Ausgeprägt sei der Wunsch der Ehrenamtlichen nach gutem Informationsfluss, mehr Austausch untereinander und mit den Hauptamtlichen, was der Idee regionaler Teambildung und der angestrebten Vernetzungstätigkeit von Gemeindekuratoren_innen entgegenkommen könne. Auch für mehr spirituelle Begleitung solle gesorgt werden. Die Charts des Vortrags von Dr. Schendel sind Teil der Tagungsdokumentation.

In der anschließenden Aussprache wurde deutlich, dass gerade in ländlichen Gebieten eher das Empfinden einer nachlassenden Beteiligung von Ehrenamtlichen vorherrsche. Hierzu müsse noch genauer auf den Einzelfall geschaut werden. Es gäbe dabei durchaus große Unterschiede, manchmal von Gemeinde zu Gemeinde aufgrund unterschiedlicher Entwicklungen in der Gemeindearbeit.

Im folgenden Plenumsgespräch wurden eigene Erfahrungen in das Verhältnis zu den Befragungsergebnissen und dem Amt der GemeindekuratorInnen gesetzt. Folgende Stichpunkte sind festgehalten:

  • Vielfältigkeit der Kirche wahr- und aufnehmen.
  • Zahlen überraschen immer wieder angesichts des eigenen Erlebens (es gibt viel Potenzial an Ehrenamtlichen, vor Ort findet sich keiner.
  • Sich zuständig fühlen, um „geistliches“ Volk dazu zu gewinnen.
  • Auf der Pfarrerebene gibt es Defizite in Hinblick auf Kenntnisse zur Begleitung Ehrenamtliche.
  • Die Rolle „Gemeindekurator/in“ muss für die Zukunft festgelegt werden.
  • Fortbildung sollten geregelt sein (geregelt angeboten werden.
  • Wiederbelebung der Gemeinde ist die zentrale Rolle; Bindeglied sein durch Projekte etc. pp
  • Noch gibt es eine hohe Bindung Hauptamt <> Ehrenamt
  • KuratorInnen sollten in diese Bindefunktion eintreten > wird immer notwendiger

In ihren abschließenden Worten unterstrichen Herr Hofer und Frau Köhler die Bedeutung des Projekts für den anstehenden Struktur- und Kulturwandel in der kirchlichen Freiwilligenarbeit und sagten die Unterstützung der Landeskirchen zu. Zugleich müsse man aber auch an den offenen Fragen weiterarbeiten, um das Profil dieses Ehrenamtes zu schärfen. Die beiden Grußworte gehören zur Tagungsdokumentation.

Dieter Rammler bedankte sich bei den Teilnehmenden und stellte die Fortführung dieses Tagungsformats als Forum für den Austausch in Aussicht. Perdita Wünsch verabschiedete die Teilnehmer_innen mit dem Reisesegen.

Dokumentation:

  • Stichworte aus den Meta-Plan-Arbeitsgruppen „Gelungenes – Stolpersteine“
  • Impulspapier „Widerstände in Veränderungsprozessen“ von Perdita Wünsch
  • Charts zum Vortrag von Pastor Dr. Gunther Schendel über die Ehrenamtsstudien in der EKD
  • Grußworte von OLKR Thomas Hofer und KRn Dr. Heike Köhler
     

Die Dokumentation zum Herunterladen